Kontinenzzentrum
Therapieangebot für Menschen mit Harninkontinenz, Blasenentleerungsstörung oder Stuhlproblemen

UltraschalluntersuchungWas ist Inkontinenz?
Inkontinenz ist die Unfähigkeit, Stuhl und/oder Harn bis zur gewünschten Entleerung zurückzuhalten. Bei einer Blasenentleerungsstörung hingegen ist die willkürliche Entleerung der Blase gestört.

Die Blase ist dafür zuständig, den ständig von den Nieren gebildeten Urin zu sammeln und dann zu entleeren, wenn die Blase voll ist. Ein Säugling kann diese Funktion der Blase noch nicht kontrollieren, erst durch ein entsprechendes Blasentraining kommt er in die Lage, die Blasenentleerung aktiv in Kontrolle zu haben.

Leider gibt es viele Möglichkeiten einer Blasenfüllungs- und Entleerungsstörung. Bei der Harninkontinenz unterscheidet man mehrere Formen. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es bei alltäglichen körperlichen Belastungen wie Husten, Lachen, Heben zum unwillkürlichen Urinverlust. Sportliche Aktivitäten müssen teilweise ganz eingestellt werden, da der Blasenverschluss nicht mehr funktioniert. Die Patientinnen, denn meistens sind davon Frauen betroffen, ziehen sich von vielen Aktivitäten zurück, da sie Angst haben, Urin unkontrolliert zu verlieren, was als äußerst peinlich erlebt wird.

Bei der Dranginkontinenz kommt der Urindrang ganz plötzlich, befehlsartig, und oftmals entleert sich die Blase, bevor die Toilette erreicht ist. Wenn sich die Blase aufgrund von Genitalsenkung oder Nervenschädigung z. B. Diabetes oder Schlaganfall füllt, ohne dass ein Harndrang auftritt, kommt es zu ständigem Urinverlust durch die sogenannte Überlaufblase.

Harninkontinenz beim Mann
Die Blasenfunktionsstörungen des Mannes bestehen zum größten Teil aus häufigem Wasserlassen und befehlsartigem Harndrang bei einer Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata). Ein unwillkürlicher Urinverlust im Sinne einer Inkontinenz kann als Ergebnis nach radikaler Prostataektomie bestehen. Zur Diagnostik ist eine urodynamische Abklärung mit Videourodynamik, Miktionszystourethrographie und Uroflowmetrie erforderlich. Dazu erfolgt eine rektale Untersuchung, die Introitussonographie und der rektale Ultraschall der Prostata.

Ursachen der Stuhlinkontinenz
Die Gründe für eine Stuhlinkontinenz können vielfältig sein und betreffen in der Regel das Kontinenzorgan selbst. Mit Kontinenzorgan ist die Funktionseinheit mehrerer anatomischer Strukturen gemeint: Der Enddarm, der eine Reservoirfunktion für den Stuhl hat, endet mit dem Schließmuskel (Analsphinkter), der gleichzeitig auch zum Beckenboden gehört. Außer einem unwillkürlich funktionierenden inneren Anteil besteht dieser Schließmuskel noch aus einem zweiten äußeren, willkürlich beeinflussbaren Anteil. Der Analkanal ist innen von einem Hämorrhoidalpolster ausgekleidet, bei dem es sich um einen zylinderförmigen Schwellkörper handelt, der das Kontinenzorgan auch für Gase abdichtet. Außerdem wichtig für die Kontinenzfunktion ist noch ein funktionsfähiges Nervensystem.

Wenn eine oder mehrere Komponenten dieses Kontinenzorganes erkrankt sind oder beschädigt wurden, kann sich eine Stuhlinkontinenz entwickeln. Die häufigste Ursache für die Stuhlinkontinenz von Frauen ist z.B. das Geburtstrauma. Beim Durchtreten des kindlichen Kopfes durch den Geburtskanal kann der Analsphinkter verletzt werden, was eine spätere Schließmuskelschwäche verursacht.
In anderen Fällen ist ein Vorfall (Prolaps) des Analkanals oder des Enddarmes für einen unvollständigen Verschluss des Schließmuskels verantwortlich. Ein Grund hierfür kann beispielsweise eine verminderte Funktionsfähigkeit des Beckenbodens als Halteapparat des Kontinenzorgans sein. Auch dies kann wieder eine Folge von Geburten oder Operationen, aber auch von Übergewicht sein.

Hämorrhoiden, unter denen sehr viele Menschen leiden, sind nicht selten eine Ursache für die Stuhlinkontinenz, aber auch Fissuren (schmerzhafte Risse der Analschleimhaut) oder Fistelgänge, wie sie etwa beim Morbus Crohn, einer entzündlichen Darmerkrankung, vorkommen, können Inkontinenzbeschwerden verursachen. Auch die Nerven des Kontinenzorgans können infolge von Operationen und Geburten beschädigt werden. Eine weitere Rolle spielen aber auch Erkrankungen des Zentralnervensystems wie z.B. Multiple Sklerose oder Nervenschäden im Rahmen von Bandscheibenvorfällen.

Wir wollen Ihnen helfen!
Die mit einer Inkontinenz verbundenen Beschwerden können die Lebensqualität erheblich einschränken. Doch aus Scham reden die wenigsten Menschen darüber, obwohl die Zahl der Betroffenen groß ist: In Deutschland leiden etwa drei Millionen Menschen unter einer Stuhlinkontinenz.
Von einer Harninkontinenz oder einer Blasenentleerungsstörung sind sogar etwa sechs Millionen Menschen betroffen. Beratungsgespräch

In unserem Beckenboden- und Kontinenzzentrum nehmen sich Ärztinnen und Ärzte mehrerer Fachbereiche dieser Probleme an. Die enge Zusammenarbeit gewährleistet einen reibungslosen Informationsaustausch, und die räumliche Nähe fast aller Zentrumsbeteiligten sichert Ihnen möglichst kurze Wege.
Das Resultat dieses Zusammenschlusses ist eine kompetente Beratung und effiziente Diagnostik und Therapie der jeweiligen Inkontinenzform und Blasenentleerungsstörung.

Das Team
Zum Team des Beckenboden- und Kontinenzzentrums gehören Ärztinnen und Ärzten, Pflegende sowie Therapeutinnen und Therapeuten der Fachbereiche

 

  • Gynäkologie
  • Gastroenterologie
  • Chirurgie
  • Psychosomatik
  • Physiotherapie

des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe (GKH) und des Medizinischen Versorgungszentrums Havelhöhe.

Unser Partner ist Prof. Dr. Kuntz, urologische Abteilung im Auguste-Viktoria-Klinikum. Darüber hinaus arbeiten wir zusammen mit den urologischen Praxen Dr. Doris Diekhans/Dietmar Rohm und Gert-Ulrich Berendsen in Spandau. Eine enge Zusammenarbeit existiert außerdem mit den Kunsttherapeutinnen und -therapeuten und den Ernährungsberaterinnen des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe.

Für Diagnostik und Therapie stehen uns die neuesten Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Diagnostik der Harninkontinenz

  • Urodynamische Diagnostik
    Die urodynamische Untersuchung besteht aus zwei Untersuchungsanteilen. Zunächst erfolgt die langsame Blasenauffüllung mit warmer Kochsalzlösung, um das Verhalten der Blase bezüglich des ersten Harndranges, des Füllungsvermögens und der Stabilität zu überprüfen. Dazu wird ein feiner Meßkatheter in die Blase über die Harnröhre eingeführt und die Blasendruckveränderungen können dadurch aufgezeigt werden.

    Bei einer sogenannten überempfindlichen Blase z. B. aufgrund einer Blasenentzündung oder antrainiertem ständigen Toilettengang gibt der Patienti/die Patientin schon sehr früh einen ersten Harndrang an, der bei "kranker" Blase häufig bereits zu einem befehlsartigen Harndrang und unwillkürlichen Harnentleerung führt.

    Ein anderes Beispiel einer Blasenfunktionsstörung ist die in ihrer Befindlichkeit gestörte Blase wie bei einem Diabetiker. Da zeigt sich kein erster Harndrang und erst bei Blasenüberdehnung erfolgt die Blasenentleerung im Sinne eines Überlaufmechanismus. So kann bereits bei dieser ersten urodynamischen Untersuchung viel über das Blasenverhalten erkannt werden. Es gibt auch eine Erkrankung der Blase, bei der es zum unwillkürlichen Muskelzusammenziehen der Blase kommt und dadurch eine Harninkontinenz entsteht, die sogenannte Dranginkontinenz, die medikamentös behandelt wird.

    Der zweite Teil der urodynamischen Untersuchung misst den Harnröhrenverschlussmechanismus in Ruhe und bei Belastung. Bei der Harnröhrenverschlussmessung wird der Verschluss der Harnröhre ebenfalls durch den feinen Katheter gemessen, der aus der Blase langsam in die Harnröhre zurückgezogen wird. Die erste Messung dabei erfolgt in Ruhe, die zweite Messung bei Belastungsbedingungen wie Husten.

  • Introitussonografie
    Der Funktionsultraschall der Blase und des Blasenverschlusses zeigt, wie die Blase in anatomischer Beziehung zu den umgebenden Organen liegt. Er zeigt, wie die Beckenbodenmuskulatur ausgebildet ist und wie sich der Blasenverschluss unter Pressen und Husten verändert. Bei Anspannung der Beckenbodenmuskulatur lässt sich nachweisen, ob diese regelrecht aktivierbar ist und dann den Blasenverschluss in seiner Funktion verstärken kann. Bei Muskulaturdefekten z. B. nach schweren Geburten, kann eine operative Korrektur erforderlich sein. Bei nur bestehender Muskulaturschwäche ist ein gezieltes Beckenbodentraining, evtl. auch mit Biofeedback, angezeigt.

Diagnostik der Stuhlinkontinenz

  • Anorektale Manometrie
    Diese Untersuchung ermöglicht es, unterschiedliche an der Kontinenz beteiligte Kompartimente zu differenzieren und so eine gezielte weiterführende Diagnostik und Therapie zu planen. Es wird dabei eine Messsonde in den Enddarm eingeführt, über die eine genaue Messung des muskulären Ruhe- und Willkürdruckes im Kontinenzorgan erfolgen kann. Außerdem werden auch Sensibilitätsstörungen erfasst. Die Untersuchung ist schmerzfrei und sollte nach einer Darmentleerung, z.B. durch ein Klistier durchgeführt werden.
  • Procto- und Rectoskopie
    Bei diesen Untersuchungen lassen sich Tumoren und entzündliche Veränderungen feststellen. Es handelt sich hierbei um endoskopische Verfahren, was bedeutet, dass die Darmschleimhaut genau beurteilt werden kann. Wie bei der herkömmlichen Darmspiegelung wird ein Endoskop in den Anus eingeführt und damit der End- und Mastdarm beurteilt. Dies kann auf Wunsch in Kurznarkose geschehen. Zur Vorbereitung wird ein Einlauf etwa 30 Minuten vor der Untersuchung durchgeführt.
  • Rectumendosonographie
    Diese Untersuchung verhilft zu einer genauen Einschätzung des Analkanals hinsichtlich krankhafter Vreänderungen des Ausscheidungsorganes wie zum beispiel Vernarbungen. Je nach Größe und Ausmaß der Veränderungen muss dann eine individuelle Therapieplanung erfolgen.
  • Defäkographie
    Bei dieser radiologischen Untersuchung wird eine Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt (auf Wunsch in Kurznarkose). Dabei wird die Stuhlausscheidung durch einen Kontrastmitteleinlauf simuliert und aufgezeichnet. Dies ermöglicht eine dynamische Darstellung der Defäkation (Stuhlentleerung) und gibt damit Auskunft über mögliche krankhafte Veränderungen des Beckenbodens.
  • MRT
  • EMG / Nervenleitgeschwindigkeit

Operative Therapie der Harninkontinenz

  • TVT (tension free vaginal tape)/TVT-O
  • Kolposuspension nach Burch
  • operative Therapie der Genitalsenkung
  • Beckenbodenrekonstruktion

 

Operative Therapie der Stuhlinkontinenz

  • Sphinkterdefekt
  • dorsale/ventrale Rektozele
  • Anal-Rektalprolaps
  • Hämorrhoiden

Konservative Therapien

  • Beckenbodentraining
    Im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung von Patienten mit Inkontinenzbeschwerden bieten wir Beckenbodenprogramme zur Stabilisierung des Beckenbodens vor und auch im Anschluss an eine Operation an. Häufig reicht dieses Training zusammen mit der Biofeedbacktherapie auch schon aus, um die Beschwerden zu bessern, und von einer operativen Therapie kann aufgrund dieser Maßnahmen abgesehen werden.
  • Wahrnehmungsschulung
  • Biofeedback
    Hierbei handelt es sich um ein elektronisch gesteuertes Nerven- und Muskeltraining, das auf eine Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur abzielt. Die Patienten werden von unseren geschulten Pflegekräften in die Benutzung eines Heimgerätes eingewiesen und während mehrerer Behandlungsmonate im Rahmen einer engen Zusammenarbeit weiter betreut. Die Kosten für diese Behandlung werden von der Krankenkasse getragen. Für viele Menschen stellt dies eine sehr effektive Behandlungsmethode dar.
    Zusätzlich zum Biofeedback kann die Elektrostimulation angewandt werden. Dabei wird die Beckenbodenmuskulatur passiv durch milde elektrische Impulse zur Kontraktion gebracht, was im Laufe der Zeit eine Stärkung der Muskulatur zur Folge hat.
  • Psychosomatik
  • Ernährungsberatung
    Gar nicht so selten wird ein unwillkürlicher Stuhlabgang provoziert, weil die Stuhlkonsistenz zu flüssig ist. Ursachen können dabei u.a. Ernährungsfehler oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein. Besteht eine Stuhlverstopfung, kommt es darauf an, den Darm durch eine ballaststoffreiche aber industriell möglichst wenig verarbeitete Kost anzuregen, aber nicht zu überfordern. Dazu kann man sich die unterschiedlichen Wirkungen der einzelnen ballststoffreichen Nahrungsmittel optimal zunutze machen. Diese Zusammenhänge aufzudecken, ist Aufgabe der individuellen Ernährungsberatung.
  • Selbsthilfe

 

Leitende Ärztinnen und Ärzte:
Dr. med. Harald Matthes, Internist, Gastroenterologe
Dr. med. Cornelia Herbstreit, Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Peter Lemmens, Chirurg

Oberärztinnen:
Gesa Schenk, Internistin, Gastroenterologin
Dr. med. Bettina Piche, Visceralchirurgin

 

Kontakt

Beckenboden- und
Kontinenzzentrum am Gemeinschaftskrankenhaus
Havelhöhe

Kladower Damm 221
14089 Berlin

Sprechstunde Stuhlinkontinenz:
Montag 14-16 Uhr
Terminvereinbarung:
Sekretariat Endoskopie
Tel. 030/365 01 631

Sprechstunde Harninkontinenz/
Blasenentleerungsstörung:
Für Frauen:
Montag, Mittwoch und Donnerstag 13-16 Uhr
Terminvereinbarung:
Fr. Riefstahl-Krause
Tel. 030/365 01-398

Für Männer:
Auguste-Viktoria-Klinikum
Klinik für Urologie Prof. Dr. Kuntz
Rubensstraße 125
12157 Berlin
Tel. 030/130 202 541

Pflegesprechstunde
Beratung für Bio-Feedback und Hilfsmittel
Tel. 030/36501-6663

Physiotherapie
Marika Wenzel
Tel. 030/36501-286

Leitende Ärztinnen und Ärzte:
Harald Matthes
Dr. med. Harald Matthes
Internist, Gastroenterologe
Cornelia Herbstreit
Dr. med. Cornelia Herbstreit,
Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Oberärztinnen:
Gesa Schenk
Gesa Schenk, Internistin, Gastroenterologin
Fr. Dr. Bettina Piche
Dr. med. Bettina Piche, Chirurgin